Eine gewaltige runde Schokoladentorte

Die Köchin verschwand, war jedoch im Handumdrehen wieder da. Sie wankte unter dem Gewicht einer gewaltigen runden Schokoladentorte auf einem Tortenteller. Der Kuchen maß einen guten halben Meter im Durchmesser und war mit dunkelbrauner Schokoladenglasur überzogen.

Roald Dahl, Matilda

Diesen Kuchen bekomme ich seit meiner Kindheit nicht mehr aus dem Kopf. Er ist Traum- und Alptraumtorte zugleich. Für den Jungen, der ihn ganz allein aufessen muss, ist er die reine Folter. Es ist ein schriftstellerischer Geniestreich von Roald Dahl, wie er den Herzenswunsch eines jeden Kindes in ein Martyrium für den armen Theo Torfkopp verwandelt, der gezwungen wird, sich die ganz Torte reinzuquälen. Wann immer ich mich mit jemandem über mein Kochbuch unterhalte, kommt das Gespräch früher oder später bei dieser Szene an. Jeder hat ganz genaue Vorstellungen von der Torte.

Ich kann mich noch deutlich an meine Matilda-Lektüre erinnern, vielleicht nicht an die allererste, aber an die erste ohne einen Erwachsenen. Ich war sieben und hatte von Dad Stubenarrest verordnet bekommen – zum ersten (und einzigen) Mal in meinem Leben. In den vier Stunden, die ich auf meinem Zimmer bleiben musste, las ich Matildain einem Rutsch durch. Stubenarrest war also doch nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.

Wenn ich heute an Theos Torte denke, stelle ich mir dieses Rezept vor. Der Kuchen ist schwer, cremig und üppig, unendlich groß und unendlich süß. Wenn man nicht aufpasst, hat man die klebrige Glasur und den weichen Biskuit schnell unter den Fingernägeln, an der Kleidung und im Gesicht. Als ich das Rezept zum ersten Mal ausprobiert habe und den glasierten Kuchen mitsamt der Tortenplatte hochhob, wankte ich doch tatsächlich unter dem enormen Gewicht.

Schokoladenkuchen

Für mindestens 30 Kinder – oder 1 Bruce

  1. Den Backofen auf 150 °C (Gas Stufe 2) vorheizen. Die Backform einfetten und mit Backpapier auskleiden. Die Schokolade mit der Butter in einer Schüssel schmelzen, die auf einem Topf mit kochendem Wasser steht. (Die Schüssel darf das Wasser nicht berühren.) Die Mischung abkühlen lassen.
  2. Das Mehl mit dem Backpulver, dem Natron, den Zuckersorten und dem Kakaopulver in einer großen Rührschüssel vermischen.
  3. Die Eier mit der Buttermilch verquirlen und zur abgekühlten Butter-Schokoladen-Mischung geben. Den kalten Kaffee zugießen und unterrühren. Die flüssigen Zutaten zu den trockenen gießen und unterheben, bis sich alle Zutaten miteinander verbunden haben.
  4. Den Teig in die Form füllen, in den Backofen schieben und 90 Minuten backen. Den Kuchen herausnehmen, wenn an einem mittig eingestochenen Spieß beim Herausziehen gebackene Kuchenklümpchen – jedoch kein ungebackener Teig – kleben bleiben. Der Kuchen ähnelt eher einem großen Brownie als einem fluffigen Biskuit.
  5. Den Kuchen 10 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann den Springformring entfernen, den Kuchen auf dem Formboden stehen lassen, bis er komplett abgekühlt ist. Der Kuchen ist nicht sehr robust, daher beim Umsetzen auf die Tortenplatte besonders vorsichtig sein. Am besten mithilfe eines Tellers stürzen.
  6. Für die Ganacheglasur die Sahne bis knapp unter den Siedepunkt erhitzen. Die Schokolade in eine Rührschüssel füllen und mit der sehr heißen Sahne übergießen. 5 Minuten schmelzen lassen, dann umrühren. 10 Minuten in den Kühlschrank stellen, damit sich die Glasur etwas verfestigt – jedoch nicht zu lange, sonst erstarrt sie komplett –, dann die Oberseite und die Seiten damit überziehen und glattstreichen.

ZUTATEN

300 g dunkle Schokolade

300 g Butter

250 g Mehl (glutenfreies Mehl funktioniert hier ebenfalls)

2 TL Backpulver

½ TL Natron

300 g feiner brauner Zucker

300 g heller Rohrzucker

60 g Kakaopulver

4 Eier

100 ml Buttermilch

125 ml starker Kaffee, frisch gekocht und abgekühlt

Ganache

250 g Sahne

150 g dunkle Schokolade, fein gehackt

100 g Vollmilchschokolade, fein gehackt

UTENSILIEN

Springform von 25 cm
Durchmesser

 

Little Library Cookbook
100 Rezepte aus den schönsten Romanen der Welt

ISBN: 978-3-336-54799-9

© Kate Young, Little Library Cookbook, Wunderraum Verlag 2018.