Interview Tanja Seehofer

Beschreibe uns doch bitte kurz deinen Weg zum Yoga.

Nachdem ich mein Burnout erlitten habe, war ich zwei Monate lang in einer ganzheitlichen Spezialklinik. Hier wurde Achtsamkeit, Körpertherapie, Meditation und auch Yoga gelehrt.

Zu dieser Zeit war Yin Yoga noch nicht so bekannt, jedoch gab es bereits eine Art Achtsamkeitsyoga bzw. restoratives Yoga, bei dem die Asanas mit positiven Glaubenssätzen verbunden wurden. Es ging darum, den Körper wieder zu spüren und den Atem bewusst wahrzunehmen. Dies war komplett neu für mich. Gleich nach meinem Klinikaufenthalt entschloss ich mich, eine Yogalehrerausbildung zu absolvieren und ich begann restoratives Yoga zu unterrichten. Wenig später kam Yin Yoga in mein Leben. Dieser Yogastil und die Vipassana Meditation haben meine Gesundung sehr positiv beeinflusst.

Was bedeutet es für Dich zu unterrichten?

Yoga zu unterrichten ist für mich „beruflicher Luxus“, da ich meine Berufung leben darf. Ich freue mich bei jedem Unterricht, mein Herz für die Teilnehmer zu öffnen und sie authentisch und mit Achtsamkeit auf ihrem Weg zur Selbsterkenntnis zu begleiten. Es ist mir ein Anliegen, aus der Tiefe heraus zu unterrichten und eine Verbindung von Körper, Geist und Seele zu schaffen. Jeder ist einzigartig und ganz – auf seine eigene Art und Weise. Das ist es auch, was ich den Teilnehmer gerne spüren lassen möchte.

Nimmst Du den „normalen“ Unterricht anders wahr, als ein Retreat oder eine Ausbildungsklasse? Was sind die Unterschiede?

Für mich besteht hier ein großer Unterschied. Auf einem Retreat gibt es die Möglichkeit eine intensive Gruppendynamik aufzubauen. Wir schaffen dabei einen vertrauten Raum, in dem auch über intime Dinge, Gefühle, Gedanken sicher gesprochen werden kann. Es geht nicht nur darum, Asanas zu unterrichten, sondern ich habe auch die Möglichkeit mentale Übungen, Coachings und Bewusstseinsreisen einzubauen, die viel tiefer gehen als in einer einzelnen Yogaklasse.

Bei meinen eigenen Yin Yoga Teacher Trainings und als Ausbilderin im Fachbereich Restorative Yoga bei SPANDA geht es mir darum, Wissen zu vermitteln und den Schülern verschiedene Techniken beizubringen. „Wissen erfahren“ ist hier mein Motto. So gibt es natürlich wichtige Theorie, jedoch üben wir auch sehr viel – Meditation, Achtsamkeit, Yin Yoga, Restorative Yoga und Yoga Nidra.

Yoga ist eine Erfahrungswissenschaft und für mich ist ein guter Yogalehrer jemand, der authentisch sowie aus seiner eigenen Erfahrung und seinem Erlebten heraus unterrichtet. Üben, üben, üben und die Selbstreflexion sind deshalb für mich die wichtigsten Elemente bei einer Ausbildungsklasse.

Was willst Du noch über Dich herausfinden?

Ich liebe es, mein Bewusstsein zu erforschen. Hier gibt es sicherlich noch einige spannende Dinge, die ich über mich erfahren möchte.

Weinst Du eher bei schönen oder bei schlechten Erlebnissen?

Das kommt ganz darauf an, wie tief die Erlebnisse gehen. Wenn es mich im Herzen berührt, weine ich bei beidem.

Auf welche deiner Leistungen bist Du besonders stolz?

Ich bin besonders stolz, dass ich mein Burnout und meine Depression vor 12 Jahren so großartig gemeistert habe und wieder zu mir zurückgefunden habe. Nun kann ich sagen, dass ich ein selbstbestimmtes Leben voll Gesundheit, Glück und Freude lebe! Und ich darf auch noch meine Berufung leben – was gibt es Schöneres?

Kannst Du besser von Frauen oder Männern lernen, warum?

Das ist unterschiedlich, es kommt immer auf den Lehrer oder die Lehrerin an. Mir ist es wichtig, dass dieser Mensch authentisch ist.

Du steckst im Aufzug fest. Was machst Du, während du auf Hilfe wartest?

Ich meditiere die Vipassana Meditation.

Wie spiegelt sich Dein Inneres in Deinem Aussehen?

Über meine Augen. Die Augen spiegeln für mich die Seele eines Menschen wider.

Was wärst Du als Jahreszeit und warum?

In der TCM gibt es 5 Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Spätsommer, Herbst und Winter. Ich wäre jede dieser Jahreszeiten, da auch ich nicht immer gleich bin. Meine Gefühle und meine Stimmungen wechseln. Nichts im Leben ist statisch, sondern dem Prozess der Veränderung unterworfen.

In welcher Situation ist Schweigen Gold?

Ich bin meist die Zuhörerin. Ich gebe ungern „super schlaue“ Antworten, lieber stelle ich Fragen, und der Gegenüber kann somit seine eigene Wahrheit finden.

Welches Geräusch magst Du am liebsten?

Ich liebe das Geräusch von zwitschernden Vögeln an einem Frühlingsmorgen, wenn ich noch im Bett liege!

Was magst Du an Dir am wenigsten, was am meisten?

Manchmal schiebe ich unangenehme Ding vor mir her. Das mag ich nicht so gerne an mir, da es mich daran hindert weiterzugehen.

Gerne mag ich meine emphatische Art. Ich kann mich meist gut in die Menschen einfühlen und ihre Situation bzw. ihr Verhalten verstehen, auch dann, wenn es mir persönlich nicht so gut gefällt.

Was war bist jetzt dein schönstes Alter?

Ich liebe jedes Alter. In jedem Alter gibt es tolle, neue Dinge zu erfahren.

Wenn jeder Mensch nur ein Alter hätte, welches Alter hättest Du?

Ich glaube, dann hätte ich gerne mein jetziges Alter, 46.

Welche Rolle spielen Farben in deinem Alltag?

Keine große Rolle. Aber natürlich können Farben die Stimmung und die eigene Schwingung verändern. So bin ich froh, dass es auf unserer schönen Mutter Erde so viele unterschiedliche Farben gibt!

Die Natur hat meiner Meinung nach die schönste Auswahl davon.

 

Welche Farbe hat die stärkste Wirkung auf Dich? Wie wirkt sie auf Dich?

Ich mag die Farbe Gold sehr gerne. Auf diese Farbe kann ich sehr gut meditieren, dann stelle ich mir helles weiss-goldenes Licht vor, dass durch meinen Körper strömt und mir Heilung schenkt.

Was wärst Du als Farbe?

Alle Nuancen von Weiss bis Hellrosa

Welche Bedeutung haben schöne Gegenstände in deinem Alltag?

Schöne, bedeutungsvolle Gegenstände im Allgemeinen lösen bei mir Resonanzen, Gefühle und Erinnerungen aus. Je nach Gegenstand kann das Freude, Dankbarkeit oder Wertschätzung sein.

Gibt es etwas, was Du sammelst?

Nein

Was ist das schönste Geschenk, das Du je jemanden gemacht hast?

Ich habe einmal in einem Tonstudio ein Lied als Geschenk aufgenommen.

Was verkörpert Dein Zuhause für Dich?

 Ruhe, Erdung, Zentrierung, Entspannung und Ankommen

Was bedeutet der Begriff Heimat für Dich?

Verwurzelung, Tradition, Fürsorge, Geborgenheit, Freiheit und Frieden

Welcher Mensch bedeutet Heimat für Dich?

Meine Eltern und meine Geschwister

Muss man die Heimat deiner Meinung nach unbedingt verlassen?

Für mich ein klares Ja. Zumindest für eine gewisse Zeit. Für mich ist es wichtig, neue Eindrücke zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern. Ich habe durch meine Reisen in verschiedene Länder und Kulturen sehr Vieles kennengelernt, das mich wachsen und reifen hat lassen.

Was bedeutet Ankommen für Dich?

Zu wissen, wo ich hingehöre. Das Ankommen bei MIR selbst ist dabei das Wichtigste. Ankommen in meinem Herzen, zu mir stehen und in Selbstliebe gut für mich sorgen. Da ankommen, wo ich gerade bin, also hier und jetzt in mir!

Für diesen einen Moment des Ankommens nicht mehr haben zu wollen. Zu wissen, dass alles schon da ist und alles gut ist, so wie es gerade ist. Mich behütet und beschützt fühlen.

Mit welcher Fähigkeit oder mit welchem Charakterzug würdest Du morgen gerne aufwachen?

Ich hätte gerne die Fähigkeit, absoluten Zugriff zur Akasha-Chronik zu haben, um sofortige Klarheit, Wissen und Weisheit für alle Lebenslagen zu erlangen.

Wünschst Du Dir mehr oder weniger Tempo im Leben? Warum?

Ich lebe eigentlich sehr ausgeglichen und gönne mir zwischen meinem großen Arbeitspensum auch immer wieder die notwendigen Auszeiten, um nicht auszubrennen.

(Wie) Kann man Glück erlernen?

Ja, Glück kann man meiner Erfahrung nach lernen.

Und zwar durch das Üben von Meditation, Achtsamkeit, Yoga, Selbstfürsorge und Selbstliebe.

Man kann lernen, auf seine Bedürfnisse zu hören und viele schöne Dinge tun, die einem Freude bereiten. Sei es in die Natur zu gehen oder einfach nur den Augenblick zu geniessen.

Woran hältst Du noch fest, obwohl Du es schon längst loslassen wolltest?

Privat fällt es mir manchmal schwer, in Diskussionen meine eigene Meinung zu vertreten. Meist sage ich dann sehr wenig. Das möchte ich gerne loslassen.

Was darf Dir im Leben niemand mehr nehmen?

Mir kann niemandem etwas nehmen. Ich selbst bestimme durch meine Gedanken und Handlungen, was ich habe und was nicht.

Mir ist beispielsweise Freiheit und Selbstbestimmtheit sehr wichtig. Das könnte ich mir nur selbst nehmen, wenn ich anfange, unbewusst zu werden. Oder auch, wenn ich aus der Angst heraus, andere Menschen verletzen oder verlieren zu können, meine eigenen Bedürfnisse weniger wichtig nehme.

Auf welches Gefühl würdest Du gern für immer verzichten?

Ich bin d’accord mit allen Gefühlen, denn jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Es möchte nur etwas mitteilen und zeigen. Die Gefühle zu beobachten, zu erkennen, zu erfahren und zu erfühlen, bringt mich zur Selbsterkenntnis und diese bringt mich in mein Selbstbewusstsein. Nur so kann ich mich weiterentwickeln.

Was ist für Dich ein Hochgenuss? Wie teilst Du ihn?

Ein Hochgenuss ist für mich, wenn ich in der Vipassana Meditation einen Samadhi Zustand erlebe. Dies ist so selten und für mich die absolute Glückseligkeit, die ich nur mit mir und meiner Seele teile.

Wobei lernst Du am meisten über Dich selbst?

 Ich bin diplomierter Mental- und Intuitionscoach, in dieser wichtigen Ausbildungszeit habe ich wohl am meisten über mich selbst gelernt.

Wenn ich in Trance gehe und mich von meiner Intuition führen lasse, um eine wichtige Frage aus meinem Inneren heraus zu

finden, habe ich immer am meisten gelernt – über meine Denkweisen, meine Muster, meine Prägungen, meine Wünsche, meine Sehnsüchte und mein Optimum im Leben.

 

Interview: Ilka Koch